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Arm- und Ellenbogenbeschwerden ohne Gewalteinwirkung


Betten machen, Einkäufe heben, Tennisspielen – Arme und Ellenbogen sind in Alltag und Freizeit ständig im Einsatz. Das Ellenbogengelenk verbindet dabei den Ober- mit den beiden Knochen des Unterarms: also den Oberarmknochen und die beiden Unterarmknochen, Elle und Speiche. Umgeben werden diese von einem Apparat aus Muskeln und Sehnen, die von der Schulter bis ins Handgelenk und die Finger ziehen. Erkrankungen und Verletzungen von Ellenbogen und Unterarm haben deshalb oft auch Auswirkungen auf die Beweglichkeit der Hand. Treten Schmerzen an Armen und Ellenbogen ohne Sturz oder andere Verletzung auf, ist häufig eine Überlastung der Auslöser. Diese macht sich dann beispielsweise an den Sehnenansätzen bemerkbar, etwa in Form eines "Tennisarms". Anfällig für Beschwerden sind auch die drei großen Nerven, die den Arm versorgen: der Ellennerv (Nervus ulnaris), der Speichennerv (Nervus radialis) und der Mittelnerv (Nervus medianus). Diese laufen auf ihrem Weg vom Oberarm bis zu den Fingern durch mehrere Engstellen. Geraten die Nerven dort aufgrund einer entzündlichen Schwellung unter Druck, drohen Schmerzen und Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmungserscheinungen. Erstrecken sich die Beschwerden auch auf den Nacken oder Schulterbereich, sollte an eine Erkrankung der Halswirbelsäule gedacht werden. Arthrosen im Ellenbogen sind zwar deutlich seltener als in anderen Gelenken. Dennoch: bei fortgeschrittenem Alter, bekannter Überbelastung oder Fehlstellung oder wenn zurückliegende Verletzungen bekannt sind, helfen Röntgenbilder, diese auszuschließen.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Wechselnde Armschmerzen mit verspanntem Nacken; Verstärkung der Schmerzen beim Drehen des Kopfs; evtl. wiederkehrende Kopfschmerzen; evtl. bohrender Schmerz zwischen den Schulterblättern; selten Taubheitsgefühl und/oder Lähmungen an Schulter, Arm oder Hand

Ursache:

06u36Schulter-Arm-Syndrom, z. B. verursacht durch
  • Muskelverspannungen, z. B. bei mangelhafter Ergonomie am Arbeitsplatz
  • Bandscheibenschäden im Bereich der Halswirbelsäule
  • Facettensyndrom
  • Blockierungen von Halswirbeln
  • Spinalstenose (Verengung des Wirbelkanals)
  • Somatoforme Störung
  • Larvierte Depression

Maßnahmen:

  • Am selben Tag zum Orthopäden oder Hausarzt bei Taubheitsgefühl oder Lähmungen
  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt bei länger bestehenden Beschwerden

Selbsthilfe:

  • Wärmeanwendungen am Nacken, z. B. heiße Rolle
  • Verbesserung der Arbeitsplatzergonomie
  • Bewegungspausen im Beruf
  • Entspannungsverfahren
  • Ausgleichssport – Motto: Alles, was Spaß macht

Ziehende Armschmerzen einen Tag nach ungewohnter Muskelbelastung; beispielsweise beim Sport

Ursache:

  • Muskelkater

Selbsthilfe:

  • Sauna, Bäder mit Rosmarin- oder Fichtennadelzusatz
  • Lockerungs- und Dehnungsübungen

Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, z. B. beim Händeschütteln oder Heben eines Gegenstands; Ausstrahlung in die Streckseite des Unterarms

Ursache:

  • Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis)

Maßnahme:

  • Bei Gelegenheit zum Orthopäden oder Hausarzt, wenn sich die Beschwerden durch Schonung nicht innerhalb einiger Wochen bessern

Selbsthilfe:

  • Schonung
  • Wärmeanwendungen, z. B. Heizkissen, Infrarotstrahler oder
  • Kälteanwendungen, z. B. kalte Umschläge, Kühlpack

Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, z. B. beim Händeschütteln oder Heben eines Gegenstands; Ausstrahlung in die Beugeseite des Unterarms

Ursache:

  • Golferellenbogen (Werferarm, Epicondylitis humeri ulnaris)

Maßnahme:

  • Bei Gelegenheit zum Orthopäden oder Hausarzt, wenn sich die Beschwerden durch Schonung nicht innerhalb einiger Wochen bessern

Selbsthilfe:

  • Schonung
  • Wärmeanwendungen, z. B. Heizkissen, Infrarotstrahler oder
  • Kälteanwendungen, z. B. kalte Umschläge, Kühlpack

Schmerzhafte Schwellung und Rötung über der Ellenbogenspitze; Verstärkung der Schmerzen bei Beugung und Aufstützen des Arms

Ursache:

  • Chronische Entzündung des Ellenbogenschleimbeutels (Bursitis olecrani bzw. Studentenellenbogen)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Orthopäden, wenn sich die Beschwerden trotz Schonung nicht bessern

Selbsthilfe:

  • Aufstützen vermeiden
  • Wärmeanwendungen, z. B. Heizkissen, Infrarotstrahler oder
  • Kälteanwendungen, z. B. kalte Umschläge, Kühlpack

Zunehmende, schmerzhafte Bewegungseinschränkung im Ellenbogengelenk; meist Schwellung; evtl. plötzliche Blockierungen bei Bewegungen

Ursachen:

  • Arthrose des Ellenbogengelenks, oft nach Verletzungen
  • 06m37Chondromatose mit Bildung von freien Gelenkkörpern ("Gelenkmäusen")
  • Pseudogicht

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Bei akuten Schmerzen Kälteanwendungen, z. B. kalte Umschläge, Kühlpack, Eisbeutel
  • Bei chronischen Schmerzen Wärmeanwendungen

Rasch zunehmende, schmerzhafte Rötung und/oder Schwellung am Arm mit Fieber

Ursache:

Bakterielle Entzündung in Haut und Weichteilen, z. B. als
  • Wundrose (Erysipel)
  • Phlegmone
  • Abszess

Maßnahme:

  • Sofort zum Hausarzt oder in die nächste Klinik

Spannungsgefühl und Schwellung im Unter- oder Oberarm nach einer Brustoperation oder -bestrahlung

Ursache:

  • Lymphödem

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Frauen- oder Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Überwärmung vermeiden (z. B. Sonnenbad, Sauna)
  • Einengende Kleidung meiden
  • Kleine Verletzungen verhindern

Wechselnde Schmerzen, Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl an der Innenseite des Arms und der Kleinfingerseite der Hand; auslösbar z. B. durch Drehen des Kopfs, Überkopfaktivitäten, Schlafen mit hochgeschlagenem Arm, Heben von Lasten; evtl. Schwellung des Arms

Ursache:

  • Thoracic-outlet-Syndrom

Maßnahmen:

  • In den nächsten Tagen zum Orthopäden oder Hausarzt bei Auftreten von Schwere- oder Schwächegefühl im Arm
  • Sonst in den nächsten Wochen zum Arzt, wenn die Beschwerden wiederholt auftreten

Dauerhafte oder attackenartige Armschmerzen nach einem Schlaganfall mit Halbseitenlähmung

Ursache:

  • Halbseitenschmerz (Hemialgie) als Folge eines Schlaganfalls, wenn für die Schmerzwahrnehmung zuständige Areale des Gehirns geschädigt wurden

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Neurologen

Ihr Apotheker empfiehlt

Wie bei allen Beschwerden am Bewegungsapparat gilt: Bessern sich die Schmerzen nach kurzer Zeit nicht oder treten häufiger auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Bei Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühlen in Armen und Händen sollte man keine Zeit verlieren und sofort ärztlichen Rat einholen. Einige Tipps lassen sich aber ganz einfach auch von zu Hause aus umsetzen:

Erstbehandlung nach dem P.E.C. H.-Schema.

Bei Überbelastungen, z. B. nach Sportarten mit einseitigen Belastungen wie Tennispielen, hilft es oft, sich am PECH-Schema zu orientieren. Dabei steht jeder Großbuchstabe für eine durchzuführende Maßnahme: P für Pause: Das Training oder die Bewegung sollte unterbrochen und Arm und Ellbogen ruhiggestellt werden. Auch für die Tage danach gilt: die auslösende Belastung ist zumindest solange tabu, bis die Beschwerden im Alltag verschwunden sind. E für Eis: Eine Kühlung von mindestens 15 Minuten lindert Schmerzen, reduziert Schwellungen und verringert Entzündungsreaktionen, die ursächlich für die Beschwerden sein können. Gut geeignet sind kalte Umschläge mit Kühlpackungen, Eiswürfeln oder in kaltem Wasser getränkten Tüchern. Um Erfrierungen zu vermeiden, sollte immer ein Tuch zwischen Körper und Kühlmittel gelegt werden. Tipp: Gerade bei chronischen Beschwerden, hilft Wärme oft besser als Kälte. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, einfach auszuprobieren, was guttut. C für Compression (englisch für Druck): Ein elastischer Druckverband, am besten über dem kalten Umschlag, verringert Schwellungen und entlastet den Ellbogen beim Laufen. H für Hochlagern: Unterstützt das Abklingen von Schwellungen.

Medikamentöse Therapie.

Bei Schmerzen an Arm und Ellenbogen hat die medikamentöse Therapie zwei Ziele: einerseits eine Linderung des Schmerzes, andererseits die Eindämmung der üblichen Entzündungs- oder Gewebsreaktionen. Geeignet sind verschreibungsfreie nichtsteroidale Antirheumatika wie Diclofenac, Paracetamol und Ibuprofen. Diese sind in Tablettenform, aber teilweise auch als Salben erhältlich. Vorsicht: Schmerzmittel überdecken zugrunde liegende Beschwerden nur und sollten nicht dazu verführen, den Arm zu früh wieder zu belasten.

Pflanzliche Präparate.

Diese sind in Gel- und Salbenform erhältlich, aber auch als Tinktur für Einreibungen und Umschläge, z. B. mit Beinwellwurzelextrakt (z. B. Kytta® Salbe f), Arnika (z. B. Kneipp Arnika Salbe® S) oder Kampfer (z. B. Camphoderm® N). Sie wirken schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend und kommen v. a. bei mäßigen Schmerzen zum Einsatz. Viele Sportler schwören auf ein Präparat, das als Pferdesalbe verkauft wird und Pflanzenextrakte wie Arnika, Rosmarin, Kampfer und Menthol enthält.

Tapes und Bandagen.

Orthopädische Tapes und Bandagen stabilisieren und entlasten den Ellenbogen. Strumpfbandagen sind in der Anwendung besonders unkompliziert, da sie sich einfach über den Arm ziehen lassen. Noch einfacher geht es mit Klettverschlussbandagen, die sich flexibel ans Gelenk anpassen lassen. Bei allen Bandagen gilt: Sie sollten so festsitzen, dass sie Halt geben, aber die Blutzufuhr nicht unterbrechen. Tapes werden so auf die Haut aufgeklebt, dass gefährliche Bewegungen verhindert werden. Am besten lassen Sie sich beim Kauf beraten und genau erklären, was beim Tragen und Anbringen zu beachten ist.

Fehlbelastungen vorbeugen.

Bewegung ist gesund – gerade untrainierte Personen sollten aber darauf achten, sich nicht zu überfordern und ungewohnte Bewegungsmuster nur langsam zu steigern. Wer merkt, dass einseitige Belastungen wie beim Tennis- oder Golfspielen immer wieder zu Beschwerden führen, sollte sein Trainingspensum reduzieren oder sogar auf eine andere Sportart umsteigen. Auch der Arbeitsplatz ist eine häufige Quelle für Fehlbelastungen: Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch ist oft die Ursache für Nacken- und Rückenbeschwerden, die in den Arm ausstrahlen. Verändern Sie so oft wie möglich Ihre Sitzposition und achten Sie darauf, dass Rücken und Oberschenkel einen 120 Grad-Winkel bilden, Ober- unter Unteram mindestens einen rechten Winkel. Statt zum Telefon zu greifen, besuchen Sie Ihre Kollegen doch hin und wieder direkt: Das Aufstehen und Herumlaufen lockert die Muskeln.

19.03.2019 | Von: Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Sara Steer

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